Die Geschichte einer Bahnüberführung

Als das neue Wohnbaugebiet Hälde geplant und umgesetzt wurde, sollte im selben Zug auch die Anbindung an den Ort durch eine Unterführung unter den Bahngleisen in Richtung Schlosspark realisiert werden. Alle Pläne wurden termingerecht eingereicht. Ziel war es, mit ohnehin geplanten und anstehenden Arbeiten im Bereich der Schienen die Durchführung zu realisieren – auch um so Ausfallzeiten und Kosten zu minimieren.

Neue technische Anforderungen machen neuen Projektplan nötig

Bahnprojekte haben allerdings ein extremes Eigenleben. Zuständig ist zunächst die Bahndirektion in Berlin, darüber hinaus werden speziell zugelassene Ingenieurbüros benötigt, ellenlange Genehmigungsverfahren in verschiedenen Behörden schließen sich an. Irgendwann gab es dann einen Kostenvoranschlag, der vom Gemeinderat genehmigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren dann die Schienenarbeiten, in deren Zuge auch der Bau der Unterführung hätte ausgeführt werden sollen, längst vorbei.

Im Baugebiet Hälde wurde fleißig gebaut, die ersten Bewohner zogen in ihre Häuser und Wohnungen – weder der Gemeinderat noch die Verwaltung bekam einen Projektplan, um wenigstens eine grobe Ahnung zu haben in welcher Phase der Genehmigung sich die Unterführung befand. Dann gab es neue technische Anforderungen an die Statik, das komplette Projekt musste umgeplant werden. Es kam eine neue, selbstverständlich deutlich höhere Kostenkalkulation und wieder keine Terminaussage.

Pünktlicher Baubeginn – weitere Verzögerungen

Die Bürger hinterfragten zu Recht – was passiert denn mit der Anbindung und wann geht es endlich los? Eine verbindliche Aussage konnte seitens der Gemeinde niemand machen, da alle im selben Behörden- und Zuständigkeitsnebel stocherten. Nach langem Hin und Her kam im Jahr 2018 die Aussage: Die Planung liegt zur finalen Unterschrift beim Regierungspräsidium. Also: Unterschriften drunter, Bauarbeiten für die Sommerferien 2019 einplanen, Schienenersatzverkehr organisieren und dann kann es losgehen – so die Meinung aller Beteiligten.

Die Bauarbeiten begannen auch pünktlich zu Ferienbeginn im Juli/August 2019. Die Schienen wurden abgebaut, der Bahndamm abgegraben und das Fundament gegossen. Dann die Meldung: Die Betonfertigteile (Unterzüge) können nicht termingerecht geliefert werden. Vermutlich, der Verdacht liegt nahe, wussten es die Baufirmen schon von Anfang an. Verzögerungen, Kostensteigerungen, etwaige Rechtsstreitigkeiten und Unmut seitens der Bevölkerung sind die Folge. Und keiner der Beteiligten, weder bei der Verwaltung noch im Gemeinderat, hat den Eindruck man hätte etwas falsch gemacht oder versäumt. Man sitzt da und ist einem riesigen Verwaltungsapparat und Baufirmen ausgeliefert, die in Zeiten der Hochkonjunktur meinen, sich an keine Gesetzesvorgaben (hingewiesen sei auf die sogenannte „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“) halten zu müssen.

Wir sprechen hier von einem Durchgang unter einer eingleisigen Strecke der Strohgäubahn. Jetzt stellen wir uns einmal die Komplexität bei einem Projekt wie Stuttgart 21 vor, in dessen Zuge eine ganze Stadt untertunnelt, Bahnhöfe umgebaut und die Alb unterquert werden muss. Und dies wohlgemerkt im laufenden Betrieb.

In dieser Woche beginnt die Schule wieder und wir haben nicht mehr als ein Loch im Bahndamm – und Schienen, die im Nirgendwo enden. Ende ungewiss. Kein schönes Gefühl für alle Betroffenen.

Für die CDU-Fraktion,
Wilfried Gentner

Hinweis: Kurz vor Redaktionsschluss wurden die ersten Fertigteile zur Baustelle geliefert – diese wurden im Laufe der KW 37 bereits eingebaut.

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