Digitalisierung: Akzeptanzschub durch die Krise?

Das Thema Digitalisierung und Ausbau der IT und Netzinfrastruktur begleitet uns schon seit Jahren. Bereits 2009 hatte die CDU-Fraktion dazu einen sehr gut besuchten Workshop in Hemmingen. Wir haben dieses Thema immer auf der Agenda und uns für Investitionen im Bereich digitaler Infrastruktur stark gemacht. Sowohl im Ort, als auch in Schulen und Einrichtungen. Unter anderem durch diese Initiative, die auch privat durch Bürger begleitet wurde, sind weitere Provider wie die NeckarCom nach Hemmingen gekommen. Es gab aber auch immer Bedenkenträger, die lieber nochmals ein Bürgerbüro fordern, anstatt sich Gedanken über Modernisierung und Digitalisierung von Verwaltungsabläufen (Supply Chain) zu machen. Nicht für jede Standardtätigkeit benötigt es Präsenz auf dem Rathaus. Datensicherheitsgründe und vieles mehr wurden vorgeschoben. Natürlich ist dies alles wichtig, aber technisch schon lange kein Problem mehr.

Dann kommt Covid-19. Und was passiert? Deutschland hortet Klopapier und wird digital. Von heute auf morgen. Konzerte und Gottesdienste werden gestreamt bis die Leitungen glühen, Vorstandssitzungen der Vereine digital abgehalten, Oma und Enkel kommunizieren über Videoplattformen und vieles mehr. Die Schulen müssen durch Corona den Betrieb einstellen und verteilen Unterrichtsstoff über Lehrplattformen.

Natürlich ist dies teils provisorisch und noch nicht professionell. Beispielsweise im Bildungsbereich: Verteilen von Aufgaben per Mail ist noch kein digitales Bildungskonzept, das neben entsprechender Software auch eine ganz andere Herangehensweise erfordert. Ein Paradigmenwechsel ist erforderlich (Goethe: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“). Dies fordern wir auch bei der Neukonzeption der Gemeinschaftsschule: Investitionen in moderne Pädagogik, nicht in noch größere Gebäude sind unser Credo. Dadurch kann sich eine Institution unterscheiden und zum Leuchtturmprojekt in der Region werden.

Oder im Medizinbereich: Über Jahrzehnte wurden Ansätze wie die digitale Patientenakte oder Videosprechstunden mit dem Hinweis auf Datenschutz verhindert. Und jetzt? Bereits zwei Tage nach dem Shutdown ging eine Plattform: „Click the Doctor“ ans Netz, über die man sich mit seinem Arzt virtuell verbinden kann und wird millionenfach verwendet. Die Gaststätte ums Eck verkauft ihre Produkte übers Netz. Und das vielgescholtene Internet in Deutschland? Es ist nicht das schnellste, aber im europäischen Vergleich das mit Abstand stabilste. Die Bedenkenträger haben Pause.

Fazit: Selbstverständlich ist vieles im Augenblick improvisiert, Datenschutz und Cybersecurity sind enorm wichtig. Ebenso wie soziale Kontakte und das Treffen mit Menschen. Dies ist überhaupt keine Frage. Aber nicht jede Diskussionsrunde erfordert Präsenz. Das spart Zeit, Reisen, Energie und CO2/NOx Emissionen.

Die CDU Hemmingen hat vor drei Jahren versucht unter dem Arbeitstitel „Lokales Amazon“ eine Plattform aufzubauen in die Gewerbetreibende, Hofläden usw. ihre Produkte einstellen und lokal vermarkten können. Damals war wohl der Leidensdruck noch nicht so groß. Wir werden diese Initiative nochmals aktivieren und hoffen auf eine bessere Teilnahme der Anbieter.

Es bleibt also festzuhalten: Ganz normale menschliche, soziale Kontakte sind durch nichts zu ersetzen. Aber warum nicht beide Welten sinnvoll verbinden? Das Konzert, den Gottesdienst, was auch immer in der Halle, der Kirche, dem Sportplatz stattfinden lassen wie bisher. Möglichst mit vielen Menschen ohne Distanz und Mundschutzmasken. Aber zusätzlich die Aktivitäten übertragen um auch die zu erreichen, die krank, nicht mobil oder in anderer Form verhindert sind. Dann kommen sie entweder zuhause oder zeitversetzt in den Genuss der Veranstaltung.

Ein weiteres Feld mit vielen Facetten, das uns noch über Jahre beschäftigen wird. (Ein Zahlenbeispiel: Ein Gottesdienst in Hemmingen am Karfreitag wurde im Livestream von ca. 70 Personen betrachtet. Abends gegen 21:00 Uhr hatte die Übertragung fast 500 Aufrufe!) Hemmingen ist noch nicht die Gigabit City. Brauchbare Internetgeschwindigkeiten sind aber bis auf wenige weiße Flecken flächendeckend vorhanden. Eventuell muss eben der Provider gewechselt werden. Für viele sind es nach wie vor „diese neuen Techniken“. Das WWW gibt es seit 30 Jahren, es ist im Grunde eine Uralttechnik, die eben immer mehr Lebensbereiche betrifft. Es sollte als das gesehen werden was es ist: Ein nützliches Werkzeug, wenn man’s braucht. Wie ein Hammer oder Schraubenzieher. Wir bleiben dran und werden Sie weiterhin informieren.

Wilfried Gentner

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