Keine gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschafts-
schule (Diskussion um Machbarkeitsstudie)

Am 08. November 16 hat der Gemeinderat eine wichtige Entscheidung bezüglich unserer Glemstalschule getroffen. Es ging dabei um die Frage, ob durch ein Gutachten die Machbarkeit einer Sekundarstufe II (gymnasiale Oberstufe) geprüft werden soll. Der entsprechende Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit (14 zu 5 Stimmen) abgelehnt. Damit ist klar, dass es an der Glemstalschule keine gymnasiale Oberstufe geben wird. Der Beschluss bedeutet aber keineswegs, dass den leistungsstarken Gemeinschaftsschülern der Weg zum Abitur verbaut oder erschwert wird.

Diese Entscheidung ist das Ergebnis eines sehr langen Prozesses, der sich mit vielen Beratungen, Gesprächen und Diskussionen über die letzten Jahre erstreckt hat. Diese fanden aus verschiedenen Gründen i.A. im nichtöffentlichen Raum statt. Folgt man der Berichterstattung der Presse, bleibt vieles unvollständig und damit auch unverständlich. Wir möchten daher in diesem Artikel anhand einiger Punkte erläutern, warum wir uns gegen eine gymnasiale Oberstufe an der Glemstalschule entschieden haben.

Befürworter einer gymnasialen Oberstufe an der Glemstalschule führen immer wieder die Durchgängigkeit des pädagogischen Konzeptes ins Feld. Bei einem Schulwechsel käme es zu einem Bruch in der Bildungslaufbahn. Diese Aussage ist richtig. Insbesondere ist sie richtig für die Schüler, die nach Erreichen des Haupt- oder Realschulabschlusses in eine Berufsausbildung einsteigen. Sie beginnen eine betriebliche Ausbildung und besuchen die Berufsschule. Beide Institutionen pflegen Lernformen, die sich deutlich von denen an der Gemeinschaftsschule unterscheiden. Trotzdem nehmen auch die Fürsprecher der Sekundarstufe II an, dass dieser Übergang von den Schülern erfolgreich gemeistert wird. Sie tun dies zu Recht, denn schließlich wird dies die Bildungsbiographie der Mehrheit der Gemeinschaftsschüler werden.

Wenn man davon ausgeht, dass die Schüler auf mittlerem Lernniveau den Umstieg in ein anderes Ausbildungssystem meistern können, warum traut man das den „leistungsstarken“ Schülern nicht zu? Es wird nicht ausgesprochen, aber offensichtlich betrachtet man die Lehrformen anderer Schularten als unterlegen. Und gleichzeitig traut man den eigenen Schülern nicht zu, mit dem methodischen Rüstzeug, das sie sich an der Gemeinschaftsschule erworben haben, auch auf anderen Schularten erfolgreich zu sein. Es geht hierbei ja nicht um Kinder, sondern um Jugendliche im Alter von 16 Jahren. Die Fähigkeit zu eigenständigem und eigenverantwortlichen Lernen, wie sie laut pädagogischem Konzept der Glemstalschule vermittelt wird, ist eine sehr gute Voraussetzung sowohl für ein erfolgreiches Berufsleben als auch für den Übergang auf ein Gymnasium. An den anderen Gemeinschaftsschulen im Land scheint man das ebenso zu sehen. Auch an diesen Schulen wird damit geworben, dass den leistungsstarken Schülern das Abitur ermöglicht wird. Allerdings wird dort explizit darauf hingewiesen, dass dieser Weg nach der zehnten Klasse an einer anderen Schule fortgesetzt wird. Offensichtlich ist das für über 290 Gemeinschaftsschulen im Land kein Problem. In den meisten Fällen haben diese Schulen Kooperationen mit einem oder mehreren beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien aufgebaut, so dass der Weg zum Abitur klar aufgezeigt werden kann. Das Argument „Bruch in der Bildungslaufbahn“ ist kein Grund für die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Glemstalschule.

Von den Elternvertretern wird angeführt, dass sich viele Eltern deshalb für die Glemstalschule entschieden hätten, weil „explizit damit geworben wurde, dass alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur an ein und derselben Schule möglich seien.“ (Stellungnahme des Elternbeirats der Glemstalschule vom 14.10.16). Dieses Argument ist aus Sicht der Eltern durchaus verständlich –Verlässlichkeit ist eine Grundvoraussetzung für Vertrauen. Das gilt für Personen wie für Institutionen. Genau aus diesem Grund haben der Gemeinderat Hemmingen und darüber hinaus der Gemeindeverwaltungsverband als Schulträger die Schulleitung in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen, wie die Eltern korrekt zu informieren seien: Die Schulart Gemeinschaftsschule ermöglicht den Zugang zum Abitur; eine Aussage, ob das Abitur an der Glemstalschule abgelegt werden kann, ist nicht möglich. Daher sollte eine entsprechende Werbung unterbleiben. Dies würde übrigens auch dann noch gelten, wenn der Hemminger Gemeinderat am 08.11.16 für das Gutachten gestimmt hätte; eine verlässliche Aussage, ob das Abitur an der Glemstalschule abgelegt werden kann, hätte es in diesem Fall nicht vor Frühjahr 2018 gegeben. Leider hat sich die Schulleitung offensichtlich über diese Sachverhalte hinweggesetzt. Dass sich Eltern heute getäuscht fühlen, ist verständlich. Die Schuld hierfür trifft aber weder den Hemminger Gemeinderat oder den GVV noch das Kultusministerium.

„Ohne eine Oberstufe wird die Schule für leistungsstarke Schüler unattraktiv“ (Stellungnahme Elternbeirat). Zunächst stellt sich die Frage, warum leistungsstarke Schüler anstelle eines allgemeinbildenden Gymnasiums eine Gemeinschaftsschule besuchen sollten. Hierfür sprechen eine Reihe von Gründen. Die Glemstalschule wirbt zu Recht damit, dass die Lehrer im Unterricht moderne Lehrmethoden anwenden. Insbesondere die individuelle Planung und Betreuung des Lernens stellen Pluspunkte dar. Die Schüler erwerben neben fachlichem Wissen auch Methodenkompetenzen. All dies macht die Glemstalschule attraktiv – unabhängig vom fachlichen Leistungsvermögen der Schüler. Der Weg zum Abitur dauert über die Gemeinschaftsschule neun Jahre und nicht acht wie an den Gymnasien in Korntal-Münchingen (GKM) und Markgröningen (HGG). Das kann ein weiterer Grund sein, bei einer Gymnasialempfehlung statt eines allgemeinbildenden Gymnasiums die Gemeinschaftsschule zu besuchen. Beim Werben um leistungsstarke Schüler ist mehr Vertrauen in die Vorzüge dieser Schulart angebracht. Nicht der notwendige Schulwechsel in der Oberstufe machen die Glemstalschule unattraktiv, sondern das Schlechtreden durch Aussagen wie die oben zitierte – und zwar nicht nur für leistungsstarke Schüler.

Als weiteres Argument für die Einrichtung einer Sekundarstufe II an der Glemstalschule hört man, dass eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe für Realschul- und Gymnasiallehrer uninteressant sei: „Ohne Oberstufe werden engagierte Gymnasial- und Realschullehrer, die sich für das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule begeistert und eingesetzt haben, das Interesse an der Schule verlieren und für sich keine Zukunft mehr sehen.“ (Stellungnahme Elternvertreter). Wie in dieser Stellungnahme angeführt, haben sich die Lehrer für das pädagogische Konzept und nicht für eine Schulstruktur begeistert. Die oben genannten Gründe, die die Glemstalschule für Schüler attraktiv machen, gelten in ähnlicher Form ebenso für die Lehrer. Insbesondere das alternative Verständnis von der Rolle des Lehrers als Mentor und Lernbegleiter dürfte unsere Glemstalschule für die meisten Pädagogen als Arbeitsplatz attraktiv machen. Weiterhin unterrichten Realschullehrer auch an Realschulen nur bis zur Klassenstufe 10; die fehlende Oberstufe macht die Glemstalschule also nicht unattraktiver.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die immer wieder angeführten Argumente für die Einführung der Sekundarstufe II an der Glemstalschule ins Leere laufen. Die CDU Hemmingen bevorzugt daher ein alternatives Konzept zur Weiterentwicklung der Glemstalschule.

Eine verlässliche und attraktive Perspektive bietet die Glemstalschule am besten durch Kooperationen mit allgemeinbildenden (HGG in Markgröningen und GKM in Korntal) sowie beruflichen Gymnasien (beispielsweise dem beruflichen Zentrum in Ludwigsburg). Hierbei kann die Schule eigenverantwortlich agieren und muss nicht auf einen Entscheid im Kultusministerium warten. Dieses Konzept, das bei zahlreichen Gemeinschaftsschulen im Land bereits praktiziert wird, kann unmittelbar umgesetzt werden. Die genaue Ausgestaltung wird zwischen den Schulen vereinbart. Im Allgemeinen sehen solche Kooperationen eine Reihe von Maßnahmen vor. Dazu können beispielsweise der Austausch von Lehrkräften oder der phasenweise Besuch des Kooperationsgymnasiums durch Gemeinschaftsschüler gehören. Nach Erreichen des Realschulabschlusses wechseln die in Frage kommenden Gemeinschaftsschüler in die Klassenstufe vor der Kursstufe, so dass sie nach drei weiteren Jahren dort das Abitur ablegen können. Dieser Weg wurde in der Vergangenheit (auch ohne explizite Kooperation) von zahlreichen Absolventen der Realschule erfolgreich beschritten – meist an beruflichen Gymnasien.

Die Entscheidung gegen die Sekundarstufe II ist eine Entscheidung für eine selbstbestimmte Weiterentwicklung der Glemstalschule. Es bleibt zu hoffen, dass diese Chance jetzt auch ergriffen wird.

Hemmingen, 17.11.16 – für die CDU-Fraktion
Martin Pfeiffer

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