Symposium Altenarbeit in Hemmingen

Am 24. Oktober 2019 fand auf Initiative der CDU in Hemmingen das erste Symposium zur Altenarbeit statt. Neben dem Informationsaustausch und der Vernetzung ist es das Ziel, unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger und ihre Anliegen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der politisch handelnden Personen zu rücken. Als Referenten waren vom Landratsamt Frau Heike Dierbach, die Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe, Frau Ellen Pobel-Gollasch, sowie die Geschäftsführer der Kleeblatt gGmbH, Herr Stefan Ebert, und der Ökumenischen Sozialstation (ÖSS), Herr Niki Friedel, eingeladen.

Ein Schwerpunkt lag auf dem Thema Pflege. Im Landkreis sind ca. 20.000 Personen (Tendenz steigend) pflegebedürftig. Dabei steigt die Pflegebedürftigkeit mit dem Alter und liegt bei über 90-jährigen bei gut 50%. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Hemmingen wird von derzeit ca. 300 auf gut 450 Personen im Jahr 2035 steigen. Der Normalfall ist dabei immer noch die häusliche Pflege (57%), es folgen Heim (24%) und die Unterstützung durch Pflegedienste (19%) im häuslichen Bereich. Die Aufgabe der Zukunft ist die Sicherstellung der Pflege im familiären Umfeld, so Frau Dierbach. Angesichts der großen Belastungen für die pflegenden Angehörigen (in der Regel sind dies Frauen) ist es kein Makel, wenn man es nicht mehr (alleine) schafft.

Aktuelle Engpässe sind die relativ wenigen Kurzzeitpflegeplätze im Landkreis. Wie die anderen Referenten auch, wies Frau Dierbach auf die fehlenden Fachkräfte hin. Der Fachkräftemangel ist praktisch für alle professionellen Angebote im Bereich der Altenarbeit der limitierende Faktor. Herr Friedel berichtete für die Kleeblatt gGmbH. In 26 Pflegeheimen werden kreisweit 725 Pflegeplätze bereitgestellt. Das Konzept der dezentralen, überschaubaren Struktur ist nach wie vor Kennzeichen der Arbeit und hat sich bewährt. Herr Ebert wies auf das Problem hin, dass Krankenhäuser Patienten oft in einem recht schlechten Zustand entlassen, so dass akut ein (übergangsweiser) Pflegebedarf entsteht. Als Modell wurde auch die pflegende Wohngemeinschaft diskutiert. Hier ziehen mehrere Personen in eine Wohneinheit und werden von einer Pflegekraft betreut. Dieses Modell ist derzeit wirtschaftlich noch nicht gut darstellbar und riskant. In Hemmingen wird mit dem Neubau Volksbank eine Tagespflegeeinrichtung entstehen, die vom Kleeblatt betreut wird; eine wichtige Erweiterung des Angebots bei uns im Ort.

Für die Ökumenische Sozialstation berichtete Herr Friedel. Träger sind jeweils die beiden Kirchengemeinden und die bürgerliche Gemeinde in Hemmingen, Schwieberdingen und Möglingen. Die ÖSS betreut gut 200 Personen, davon 50-60 in Hemmingen (einschließlich einiger mit Pflegegrad 5). Neben der hohen Taktung – pro Patient stehen ca. 15-20 Minuten zur Verfügung – ist in Teilen der wachsende Anspruch der Angehörigen (Wunsch z.B. nach Haus- und Gartenarbeit) sowie die Planbarkeit eine Herausforderung.

Die Nachbarschaftshilfe ist nicht in der Pflege tätig, sondern hilft dabei, ein selbstbestimmtes Leben im häuslichen Umfeld aufrecht zu erhalten. Träger sind die bürgerliche Gemeinde sowie die evangelische und die katholische Kirchengemeinde in Hemmingen. Knapp 30 Mitarbeiterinnen (es gibt auch zwei Männer) unterstützen in gut 90 Haushalten bei täglichen Besorgungen. Wichtig ist auch einer Vereinsamung vorzubeugen.

Dies wurde auch in der abschließenden Diskussion deutlich. Frau Dierbach sprach davon, dass die „Kommune als sorgende Gemeinschaft“ eine zentrale Rolle einnimmt. Das Ehrenamt eines „Quartiermanagers“, der die verschiedenen Ansprechpartner und Angebote kennt und vernetzt, kamen ebenso zur Sprache wie die Anmerkung, dass noch weitere Beteiligte (z.B. DRK oder VdK) einzubeziehen seien.

Das Symposium war ein gelungener Start in die Vernetzung und Sichtbarmachung der Seniorenarbeit in Hemmingen. Wir danken allen in der Seniorenarbeit tätigen Menschen, die mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass Hemmingen auch im Alter ein lebenswerter Ort bleibt.

Martin Pfeiffer

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