Aktive Umweltpolitik vs. „Grüner Politik“

Kein Mensch kommt mit dem Ziel auf die Welt, die Umwelt zu zerstören oder mindestens 150 Tierarten auszurotten, niemand. Daher gab es schon immer aktive Umweltpolitik, die sich meiner Meinung nach von „Grüner Politik“ in verschiedenen Punkten fundamental unterscheidet. Im Ziel gleich, in der Herangehensweise vollkommen unterschiedlich. Ich möchte dies anhand einiger Beispiele regional und lokal aufzeigen.

Beginnen wir mit einem der größten und wirksamsten Umweltprojekte: Dem VVS Verkehrsverbund. Ein Problem (zu viele Autos) wurde erkannt und durch den Bau eines öffentlichen Verkehrssystems gelöst. Aber dazu muss man bereit sein, Bahnen zu bauen, nicht den Bau mit den unmöglichsten Begründungen 30 Jahre lang zu verhindern. Die Flüsse waren verschmutzt, es wurden Kläranlagen gebaut, patentiert und die Technologie als wirtschaftlicher Erfolg und Patent in die Welt exportiert. Das verstehe ich unter Umweltpolitik. Am Ende eine ökologisch/ökonomische Win-Win-Situation.

Man stelle sich bitte einmal für einen kurzen Augenblick vor, die U- und S-Bahnen gäbe es in unserem Großraum noch nicht. Die würden heutzutage auch in den kommenden 50 Jahren nicht realisiert. Wir in Hemmingen siedeln drei Jahre einige Eidechsen um, monitoren sie dann noch drei Jahre um dann eine Unterführung zwischen Hälde und Schlosspark zu bekommen. Das ist Vorgabe des Landes. Das Land verteuert Wohnungsbau nicht durch sinnvolle Energieoptimierung, sondern durch Zwang zu Radstellplätzen und Kinderspielplätzen am Haus, selbst wenn Senioren in dem Gebäude wohnen. Und so geht es bei allen Infrastrukturprojekten.

CO2 reduziert man nicht durch Digitalanzeigen an jeder Fußgängerbrücke, wieviel ppm gerade am Neckator gemessen werden, sondern durch Ausbau des ÖPNV, von Radwegen, von modernen Leitsystemen die den Parkplatzsuchverkehr (ca. 30 Prozent in der Innenstadt Stuttgart) minimieren. Die Hermann-Hesse-Bahn geht nicht in Betrieb, weil sich einige Fledermäuse in einem Tunnel eingenistet haben. Unfassbar!

Energiewende: MP Kretschmann wollte 1700 Windkraftanlagen in BW bauen. 17 sind es bis dato in 10 Jahren geworden. Die anderen verhindern seine Parteikolleg*innen auf lokaler Ebene. Fordern und verhindern in einer Organisation, das ist aktuell gelebte grüne Politik. Leider hilft es der Umwelt nicht. Es führt zu absolutem Stillstand. Solange kaufen wir grundlastfähigen Kohlestrom in Polen und Strom aus Kernenergie in Frankreich. Das Problem verlagern kann nicht die Lösung sein. Brasilien wurde vor wenigen Jahren noch für seinen hohen Anteil an Biosprit gefeiert. Dass der Anbau mit massiver Rodung des Regenwaldes einherging wurde solange verschwiegen, bis es nicht mehr zu übersehen war.

Elektromobilität kann eine Lösung sein. Aber nicht, wenn der Akku durch importierten Kohlestrom aufgeladen und im Kongo, in Chile und anderswo Raubbau an der Natur betrieben wird um Rohstoffe zu fördern. Wir haben das reine Gewissen, die anderen den Dreck. „Greenwashing“ nennt man diese nahezu schizophrene Haltung.

Hier in Hemmingen auf lokaler Ebene sind wir es, die bei jeder Entscheidung den Kosten/Nutzen und Umweltaspekt hinterfragen. Dabei geht es nicht ums Verhindern, sondern darum, mit möglichst wenig Ressourcenverbrauch möglichst viel zu erreichen. Warum muss ein Parkplatz in die Fläche gebaut werden und nicht unter die Erde oder in die Höhe? Wie sind die Auswirkungen auf den innerörtlichen Verkehr bei der Neuansiedlung eines weiteren Discounters oder Baugebietes?

Ressourcen doppelt nutzen? Warum nicht. Wir haben bei einem Gespräch mit der Region angeregt, die ohnehin schon versiegelte Fläche der Autobahn zwischen Engelbergtunnel und Heilbronn in einem Pilotprojekt auf einer 2. Ebene mit Solarpanels zu überbauen. Keine zusätzliche Fläche würde versiegelt und Strom könnte auf einer Fläche von ca. 2 Mio. Quadratmeter produziert werden.

Also: Die Umwelt treibt jeden um. Es gibt eben unterschiedliche Wege zum Ziel. Umwelttechnologie ist sicher auch einer der Innovationstreiber für findige Köpfe und neue Unternehmen. Man muss es nur anpacken. Allen sind saubere Flüsse und ein blauer Himmel lieber als eine verschmutzte Umwelt. Unser Ziel muss sein, Ökonomie mit Ökologie zu verbinden.

Und noch so eine Stilblüte: Naturschutzgebiet Nordschwarzwald. Egal wie man dazu steht, es ist so entschieden. Ein Wald wächst vor sich hin, wird sich selbst überlassen, glückliche Borkenkäfer freuen sich, er stirbt ab, wächst neu… – ein Naturkreislauf in unserer Kulturlandschaft. So weit, so gut. Warum müssen dann aber 70 (!) Beamte im Umweltministerium für dieses Projekt eingestellt werden, nur um einen Wald sich selbst zu überlassen?

Die CDU Hemmingen macht auf lokaler Ebene aktive Umweltpolitik. Wenn es die Lage zulässt, werden wir auch in diesem Jahr unsere Umweltaktion, die Wald- und Flurputzete, sowie unsere Baumpflanzaktion durchführen. Die Termine werden kurzfristig bekanntgegeben.

Wilfried Gentner
Gemeinderat (CDU)

Veröffentlicht in Aktuelles, Berichte des CDU Ortsverbands.