Der Zustand des Waldes, Waldbegehung 2020

Ein sehr interessanter Außentermin ist die jährlich stattfindende Waldbegehung mit dem Förster, dem Forstamt und der Jäger. Dieses Mal gab es zwei wesentliche Themen: Standortfindung für den Waldkindergarten (wir werden darüber berichten) und der Zustand des Waldes insgesamt.

Während es in den meisten Gebieten Deutschlands in 2020 wieder ein durchschnittliches Niederschlagsjahr gab, ist das Strohgäu auf einer Niederschlagskarte im tiefroten, regenarmen Bereich. 2020 war seit 2015 das fünfte Jahr in Folge mit massivem Niederschlagsdefizit, was man der Flur, den Streuobstbäumen auf den Wiesen und selbstverständlich dem Wald deutlich ansieht. Insgesamt fehlen mehr als 350 l/ m² Regen in unserer Region. Viele Bäume verdorren auf dem Stamm. Dabei kommt noch hinzu, dass die Vegetationsperiode ca. drei Wochen früher beginnt und drei Wochen später endet, was daran erkennbar ist, dass jetzt, Anfang Oktober, noch kaum verfärbte Blätter zu sehen sind. Der „Indian Summer“ ist heutzutage im November. Sechs Wochen mehr, in denen die Bäume Wasser bräuchten, das durch den absinkenden Grundwasserspiegel nicht vorhanden ist. Hauptsächlich betroffen sind Fichten und Buchen, die es nicht mehr schaffen, das Wasser in die Kronen zu transportieren und eingeschlagen werden müssen.

Fichten werden bei der Aufforstung primär durch Douglasien ersetzt, das Ende der Buche in unserer Region ist aber noch nicht gekommen. „Die Bäume waren verwöhnt“ so der Förster. Soll heißen: es war immer genug Wasser vorhanden, die Bäume haben in diesem „Luxus“ kein tiefes Wurzelwerk ausgebildet. Alte Bäume können dies auch nicht nachholen.

Wenn junger Bestand in dieser Situation gepflanzt wird, bilden sich tiefere Wurzeln, was auch in Zukunft noch Hoffnung auf die Buche in unserer Region macht. Aktuell sind weitere trockenresistente Bäume wie die Atlaszeder u.a. im Gespräch. Elsbeere und Speierling haben sich bereits angesiedelt. Große Erfahrungen mit diesen Baumsorten in unseren Bodenverhältnissen liegen aber noch keine vor. Aufgeforstet wird in diesem Jahr nur ein relativ kleiner Bereich von ca. 1 ha. Der Holzpreis ist laut Prognose des Forstamts stabil.

Auch die Tiere des Waldes haben durch Wassermangel und „Überbesiedelung“ durch den Menschen, Mountainbiker und PKW-Verkehr ihre Probleme. Dieses Jahr wurden sie erstmals seit Jahren in den Sommermonaten getränkt. Wie sehen wir den Wald? Früher sah man ihn als reinen Wirtschaftszweig der Kommune. Heute ist er Naherholungsgebiet, Sauerstoffspender, Lebensraum für Tiere, Lieferant für nachwachsende Energie und nicht zuletzt ein (sehr geringer) Wirtschaftsfaktor. Er muss auf alle Fälle erhalten bleiben.

Und noch eines: Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht neu, er kommt aus der Forstwirtschaft. Maximal so viel Einschlagen, wie in langen Wachstumszyklen wieder nachwächst. Fehler, die wir heute Brasilien vorwerfen, haben wir alle schon vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten gemacht. Die schöne Heidelandschaft der Schwäbischen Alb oder die schottischen Highlands sind nichts anderes als gerodete Waldlandschaft. Noch vor kurzer Zeit wurde Brasilien für seinen hohen Biospritanteil von Greenpeace gelobt. Die Fläche für den Anbau von Palmöl wurde als Waldfläche abgeholzt. So ist manches scheinbar ökologische Projekt bei genauem Hinsehen das Gegenteil.

Wilfried Gentner
Gemeinderat (CDU)

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