Stromversorgung in Hemmingen

Dass die Stromversorgung ebenso wie Wasser/ Abwasser/ Internet zu den zentralen Infrastrukturen in einer Gemeinde gehört, ist selbstverständlich. Dass der Strom aus der Steckdose kommt, wird allgemein vorausgesetzt. Nur wie kommt er sicher und verlässlich dorthin? Für diese immer komplexer werdende technische Aufgabe ist unser Partner die Netze BW, eine 100%ige Tochter der EnBW. In Zeiten der Energiewende verlieren die Großkraftanlagen (AKW`s, Kohlekraftwerke etc.) kontinuierlich an Bedeutung und werden durch dezentrale Anlagen wie Photovoltaik, Biomasse und Windkraft ersetzt. Das Netz muss diese geänderte Lastcharakteristik aber auch verarbeiten können. Waren es bei den Großkraftwerken hierarchische Strukturen aus Hochspannung, Mittelspannung und Niederspannung in der Ortschaft, so ist jetzt der Verbraucher (z.B. Wohnhaus mit Solardach) sowohl Energiekonsument wie Energieproduzent, was eine grundlegende Veränderung der Netzstruktur, Steuerungs- und Regelungstechnik nach sich zieht. Insgesamt stehen für die Energieversorger und die Kommunen gigantische Investitionen an, die am Ende auch von den Verbrauchern getragen werden müssen. Dass zukünftig auch Ladeinfrastruktur für Elektromobilität von den Bauherren vorgehalten werden muss, verteuert das Bauen dringend nötigen Wohnraums. Öffentliche Ladesäulen sollen gefördert werden. Auch Hemmingen wird dabei Lokationen zur Verfügung stellen, wenn auch durch den Platzbedarf einige Stellplätze wegfallen. Bei allen Veränderungen im laufenden Betrieb ist unser Stromnetz im nationalen und internationalen Vergleich sehr stabil, wenn auch am Rande der Kapazität. Hier einige Zahlen, die aus einem Vortrag der ENBW in einer AUT-Sitzung resultieren. Die Ausfallzeiten liegen bei ca. 12 min/ Jahr (USA 112 min, Frankreich und GB liegen irgendwo dazwischen). Die Investitionen in den nächsten Jahren in den Umbau des Netzes in Hemmingen belaufen sich auf ca. 4 Mio. Euro, weitere Investitionen werden für die vollständige Erdverlegung der Oberleitungen verwendet. Ein realistischer Ausbauplan lokal erzeugten Stroms für Hemmingen ist laut ENBW eine Steigerung der Solardächer von zzt. 280 auf ca. 600 in 2030, bei Wärmepumpen von 53 auf mehr als 200. Die prognostizierte Zunahme der Elektro-PKWs wird sich rasant entwickeln und von 10 zugelassenen PKW in 2019 auf 1700 in 2030 und 3500 in 2040 ansteigen. Diese Fahrzeuge müssen selbstverständlich versorgt werden. Die Energiewende ist ein Prozess, der uns noch einige Jahre begleiten wird und bei dem auch schon viele irreversible Fehler begangen wurden. Wenn CO2 das größte Menschheitsproblem ist, warum steigt man dann zuerst aus der Kernkraft und nicht aus der Kohlekraft aus? Auch der Anbau von großen Maisflächen für Biomassekraftwerke dient nicht unbedingt der Biodiversität. Aktuell wird das Thema Freiflächen-Photovoltaik heiß diskutiert. Ich halte überhaupt nichts davon, Felder, Wiesen und anderes mit Photovoltaikanlagen zuzupflastern, solange noch Dächer, Parkplätze, Straßen etc. überbaut werden können. Und seien wir mal ehrlich zu uns selbst: Keiner will wirklich eine Windkraftanlage vor der Wohnung. Daher geht auch der Bau dieser Technologie nicht voran. Leider sind wir Deutschen die Weltmeister im ideologisch getriebenen Aussteigen aus etwas (grundlastfähige Energie). Den Einstieg in Alternativen wollen wir aber möglichst auch nicht. So kaufen wir eben den Strom aus Kohle und Atomstrom in den Nachbarländern. Die sollen den Dreck haben, wir haben das grüne Gewissen. Selbstverständlich erzeugen wir Windkraft in der Nordsee, schaffen aber den Bau von Leitungen in den Süden nicht, was zur Umsiedlung energieintensiver Produktion in die norddeutschen Bundesländer führt. Zur Herstellung einer gewissen Grundlastfähigkeit bauen wir ein Unterseekabel von den Windkraftanlagen durch die Nordsee (Nordlink) nach Norwegen. Dort wird mit Überstrom Wasser in einen Stausee gepumpt und bei Strommangel durch eine Turbine abgelassen und wieder nach Deutschland transportiert. Ein miserabler Wirkungsgrad durch riesige Transportverluste ist die Folge. Die Energiewende sieht meines Erachtens anders aus.

Für die CDU Fraktion Wilfried Gentner

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